Barthes – Die strukturalistische Tätigkeit

Der vorliegende Text beschäftigt sich mit dem Begriff des Strukturalismus. Roland Barthes geht zunächst auf die schwammige Beschreibung des Begriffes ein. Das Wort „Struktur“ hat seine klare und abgegrenzte Bedeutung verloren, da es mittlerweile ein Alltagswort ist und in mehreren Wissenschaften verwendet wird. Zu der Zeit des Textes, so Barthes, sind die Ökonomie und die Linguistik die größten Wissenschaften von der Struktur. Passend zu der ungenauen Bedeutung spricht er Saussures Modelle an, zum einen „Signifikat-Signifikant“ (Die Beziehung zwischen einem Wort und dem dadurch gedachten Objekt) und zum anderen „Synchronie-Diachronie“ (Untersuchung der Sprache zu einem Zeitpunkt beziehungsweise durch die Zeit).

Da Struktur bereits eine schwammige Bedeutung hat und der Strukturalismus auch nichts einheitliches ist, schlägt Barthes vor, den Strukturalismus auch außerhalb der Wissenschaft anzuwenden. So empfinden Schöpfer und Kritiker ihn anders und arbeiten auch unterschiedlich mit ihm. Auf der Seite des Schöpfers nimmt man Gegenstände, nimmt sie auseinander und durchschaut dabei ihre Struktur. Danach baut man sie wieder zusammen und präsentiert sie dem Publikum. Dabei eröffnet sich eine neue Betrachtungsweise auf den Gegenstand, da man ihn aus der Perspektive des Schöpfers betrachtet. Dies passt zum Text von Šklovski, da die dort angesprochene Verfremdung und der Perspektivenwechsel auf das gleiche Ziel aus sind. Strukturalismus beschäftigt sich also mit Nachahmung. Dabei lässt sich diese Definition auch auf die anderen Wissenschaften ausweiten, da man dort gegebene Strukturen durchschaut und sein Werk aus ihnen rekonstruiert, „um Funktionen in Erscheinung treten zu lassen“.

Bei der Zerlegung des Gegenstandes betrachtet man dabei alle seine Einzelteile und vergleicht sie auf Unterschiede. (Was meint Barthes mit dem Prinzip „des kleinsten Unterschiedes“ (S.194, Ende des ersten Absatzes)?) Bei dem Arrangement unterwirft man sich bestimmter Formen, damit es nicht dem Zufall entsprungen scheint und eine gewisse Intention zu finden ist. (Obwohl ich hier nicht alles verstanden habe, erinnert mich der Text auf S.193-195 an die Begriffe „System“, „Medium“ und „Form“ bei Luhmann). Dieser gesamte Prozess lehnt an dem Verlangen des Menschen an, Dingen Bedeutung geben zu wollen. Dabei sucht man nicht direkt nach ihrer Bedeutung, sondern erschafft sie eher. Das Herstellen der Bedeutung, der Prozess, ist also wichtiger als die Bedeutung selbst. Im Mittelpunkt steht also das Spiel von Formen und Inhalt, wobei die Formen an eine Struktur gebunden sind.

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